• Julia

Was ist eigentlich eine freie Trauung?





Für meinen heutigen Blogbeitrag zum Thema freie Trauung habe ich mir wieder Unterstützung geholt. Dominique von Herzreden ist freie Traurednerin und hat bereits mehrere freie Trauungen gehalten. Wieso sie so für das Thema brennt und was man genau unter freie Trauung versteht, habe ich sie in diesem Interview gefragt.


Dominique, stelle dich doch einmal kurz vor!


Hi, ich bin Dominique, 25 und wohne in Berngau bei Neumarkt. Ich bin nebenberuflich als freie Traurednerin bzw. Rednerin tätig und hauptberuflich im Marketing für ein Ingenieurbüro. Meine Nebentätigkeit habe ich letztes Jahr im August begonnen und dieses Jahr im Januar als Kleinunternehmen angemeldet.


Wie bist du darauf gekommen, als Traurednerin zu arbeiten?


Letztes Jahr im Juli hat meine beste Freundin geheiratet. Die beiden haben sich für die Hochzeit nur Geld gewünscht, wie mittlerweile die meisten Hochzeitspaare. Als beste Freundin wollte ich aber etwas „besonderes“ machen. Nach langen Überlegungen kam ich dann zu dem Entschluss – ich schreibe eine Rede. Bei den beiden ist mir das natürlich besonders leichtgefallen, da ich sie sehr gut kenne und eher darauf achten musste, dass die Rede nicht zu lange wird. Aber ich habe sofort gemerkt, dass mir das spaß macht. Das Schreiben, das Hineinversetzen in das Brautpaar, darauf zu achten, dass die Rede passend für die Gesellschaft ist, und und und. Schon während dem Schreibprozess habe ich dann überlegt, was ich mit der entdeckten „Leidenschaft“ anfangen könnte und bin relativ schnell auf freie Trauungen gestoßen. Nachdem ich dann die Rede gehalten habe und sehr positives Feedback bekommen habe, war der Entschluss gefasst. Ich werde Traurednerin. 😊



Wenn ein Paar dich kontaktiert und an einer freien Trauung interessiert ist, wie läuft das

dann weiter ab?


Wenn mich ein Paar kontaktiert, dann ist es meistens so, dass wir kurz schreiben – über Whatsapp – und dann relativ schnell einen Termin zum Kennenlernen vereinbaren. Hier treffen wir uns im Café (vor Corona), oder auf einen Spaziergang oder eben via Skype, Zoom, Whatsapp-Call, etc. und „beschnuppern“ uns. Hier ist es mir wichtig das Paar schonmal von der Art her kennenzulernen. Ich sage meinen Brautpaaren immer, dass der oder die Trauredner/in eine enorm wichtige Rolle an diesem besonderen Tag sind und, dass sie sich ganz sicher sein sollen, wen sie dann nehmen. Ich bin auch keinem böse, wenn mir abgesagt wird. Man muss sich zu 100% wohlfühlen mit der Wahl des Trauredners. Aber auch ich muss mich wohlfühlen. Die Chemie muss einfach passen und ich sage nicht zu allen Paaren „Ja“. Das finde ich nur fair, denn wenn ich mich nicht wohl fühle, kann ich auch nicht die Rede schreiben, die jedes Brautpaar verdient hat.

Nach dem Kennenlernen und wenn das Brautpaar dann JA zu mir sagt, werden die vertraglichen Komponenten geklärt.


Anschließend bekommt das Paar von mir 2 bzw. 3 Fragebögen. Einen gemeinsamen und jeder einen einzelnen. Diese sollen bis zum Traugespräch ausgefüllt an mich zurückgeschickt werden. Damit kann ich mich dann optimal auf das intensive Gespräch vorbereiten.

Das Traugespräch dauert dann ca. 3-4 Stunden. Hier lerne ich das Paar richtig kennen. Wir intensivieren nochmal die Fragen aus dem Fragebogen und gehen im Anschluss den Ablauf Schritt für Schritt durch. Alles wird bis ins kleinste Detail besprochen. Außerdem lasse ich mir noch 2 Kontaktpersonen geben, bei denen ich mir das ein oder andere Detail holen kann.

Danach beginnt der Schreibprozess. Immer wenn ich merke, dass mir an der einen oder anderen Stelle etwas fehlt, dann kommen die Kontaktpersonen zum Einsatz. Ich kann dann gezielt Fragen an diese stellen und mir noch ein paar lustige Geschichten erzählen lassen.

Wenn die Rede dann final steht, bekommt eine Kontaktperson 2-3 Auszüge aus der Rede zum Lesen, damit auch wirklich der Geschmack des Brautpaares getroffen wird. Auch eine kleine Absicherung für mich und bisher auch oft ein Grund, warum Paare sich für mich entscheiden.


Kurz vor der Trauung (2 Wochen) gibt es nochmal ein entspanntes Small-talk Telefonat mit dem Brautpaar. Hier möchte ich einfach die Nervosität nehmen und nochmal die Gefühlslage abfragen. Mehr nicht.


Am Tag der Trauung bin ich dann mindestens eine Stunde vor Beginn vor Ort. Zum Aufbauen und auch um die ersten Gäste kennenzulernen. Das hilft mir bei der Interaktion und ich wirke so oft sympathischer auf die Gäste, weil sie mich schon „kennen“. Und dann beginnt die Trauung…


Wie ist eine Traurede aufgebaut?


Die Frage kann man schwer verallgemeinern. Grundsätzlich hängt das davon ab, was das Paar mir erzählt. Die Rede soll ja auch immer individuell sein. Aber oft Bestandteil sind das Kennenlernen, die Meilensteine, lustige Erlebnisse. Natürlich auch die Gefühlslage – hier liegt der emotionale Part. Das ist aber wirklich von Paar zu Paar unterschiedlich und das macht die Tätigkeit auch so spannend. Jedes Paar ist anders und auf seine Weise besonders.


Kann sich das Paar in deiner Trauung ein Eheversprechen geben?


Liebend gern. Für ein Eheversprechen bin ich immer offen und freue mich riesig, wenn sich Paare dafür entscheiden. Leider machen das allerdings die wenigsten. Viele haben Angst davor sich zu blamieren oder wollen ihre Emotionen nicht so offen vor so vielen Menschen zeigen. Aber mit einem Eheversprechen schafft man eine ganz andere, tiefere emotionale Ebene. So etwas kann ich mit meinen Worten nur selten erzielen. Dennoch ist das jedem selbst überlassen – ich versuche den Paaren immer gerne die Angst zu nehmen. Im Kreis der Liebsten braucht man sich nicht unwohl zu fühlen.





Was ist für dich immer das Highlight jeder Trauung?


Ich würde sagen es gibt zwei Momente. Wenn der Mann die Frau noch nicht gesehen hat vor dem Einzug, dann ist ein Highlight auf jeden Fall der First Look – dabei sollte man wirklich den Blick von der Braut lösen und den Bräutigam anschauen. Emotionen pur bei jedem noch so gestandenen Mann.

Und das zweite Highlight ist das Ja-Wort. Ich gestalte das Ja-Wort gerne mit Zitaten der Partner und das sorgt für ein besonderes Feeling. Deshalb auch mein Highlight, wenn ich es schaffe hier Emotionen herauszulocken.


Wieso sollte ich mich deiner Meinung nach für eine freie Trauung entscheiden und gegen eine kirchliche Trauung?


Mal davon abgesehen, dass ich schon aus der Kirche ausgetreten bin – wissen auch bewusst alle meine Brautpaare – ist die Individualität der freien Trauung einfach grenzenlos. Während in der Kirche der Pfarrer den Ablauf bestimmt, kann bei der freien Trauung das Paar selbst alles festlegen. Es wird meist viel emotionaler und viel intensiver als in der Kirche. Die Paare hören ihre Geschichte und das ist auch für die Gäste deutlich interessanter.


Wie hoch sind die Kosten für eine freie Traurednerin?


Das ist von Rednerin zu Rednerin unterschiedlich. Auch die Regionen haben hier unterschiedliche Preise. Wenn ich mal von mir ausgehe: Für eine „durchschnittliche“ Trauung von 45 – 60 Minuten verlange ich zwischen 900 – 1.000€ zzgl. Fahrkosten. Das ist auch so der Durchschnitt hier in der Region Mittelfranken – Oberpfalz. Es gibt natürlich immer günstigere Rednerinnen und Redner, allerdings steckt auch viel Arbeit dahinter, die oft nicht gesehen wird und das sollte man berücksichtigen. Deswegen ist der Preis schon gerechtfertigt.


Wieso sind freie Trauungen im Moment so im Trend?


Da kann ich nur meine Antwort von vorhin wiederholen: Individualität, Emotionen, lockerer, spannend, freie Gestaltung, etc.

Trend weg von Kirche – Bezug fehlt, Ruf wird schlechter, kalt und emotionslos.



@Laura Forster


Mehr Infos zu Dominique auf www.herzreden.de